Beyond [Comfort] · Folge 27 · Solo

Warum du Viktor Frankl kennen solltest.

Eine Einführung zu einem Menschen, der vierfaches Lagerleid überlebte und daraus eine Psychotherapie des Sinns formte — und der die Frage umkehrte: nicht, was wir vom Leben erwarten, sondern was das Leben von uns erwartet.

⏱ 9 Min. Lesezeit 🎙 Solofolge · Teil 1 von 2 📅 April 2026
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Bei einem Osterspiel lautete die Frage: Welche Person würdest du treffen wollen, ob lebendig oder verstorben? Eine der Antworten war Professor Viktor Emil Frankl — für viele einer der größten Österreicher, und ein Mensch, dessen Größe sich nicht aus Status, sondern aus Haltung speist. Wer ihn nicht kennt, sollte das ändern. Diese Folge ist der Auftakt zu einem Zweiteiler und gleichzeitig eine Einladung, sich anschließend Frankls Rede von 1988 selbst anzuhören.

Wer war Viktor Frankl?

Frankl überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz. Vor seiner Deportation hätte er als Akademiker die Möglichkeit gehabt, nach Amerika auszuwandern — er entschied sich dagegen, um seine älteren Eltern nicht zurückzulassen, und blieb. Er verlor fast seine gesamte Familie: Vater, Mutter, Bruder und seine erste Frau. Er selbst überlebte das gesamte Prozedere und schrieb darüber später ein Buch — lesenswert, aber, wie er andeutet, nicht in jeder Gemütslage.

Als Psychiater begründete Frankl nach Freud und Adler die dritte Wiener Schule der Psychotherapie: die Logotherapie, in deren Zentrum die Frage nach dem Sinn steht. Sein Grundansatz — jeder Mensch hat Würde, unabhängig von seiner Vergangenheit — ist auch deshalb so bemerkenswert, weil er nach dem Krieg Menschen behandelte, ohne sie in starre Kategorien von Tätern und Opfern zu pressen. Für ihn zählte vor allem die Entscheidung, die ein Mensch ab jetzt trifft.

Die Willenskraft, die das Buch entstehen ließ

Nach dem letzten Lager war Frankl schwer krank, mit nur geringer Überlebenswahrscheinlichkeit. Er hielt sich, so wird erzählt, selbst am Leben — im Wissen, dass er nicht mehr aufwachen würde, wenn er jetzt einschliefe. Allein die kognitive und mentale Leistung, unter diesen Bedingungen weiterzuarbeiten, ist beeindruckend. Sie ist das gelebte Beispiel dessen, was seine Theorie behauptet.

Die umgekehrte Sinnfrage

Der Kern der Logotherapie ist ein Perspektivwechsel, an den man sich öfter erinnern dürfte. Nicht: Was kann ich vom Leben erwarten, und was schuldet es mir? Sondern: Was erwartet das Leben von mir?

Nicht das Leben schuldet mir etwas — die Frage ist, was das Leben von mir erwartet. — nach Viktor Frankl, Logotherapie

Wer Talente mitbekommen hat, kann sie bestmöglich nutzen — wo auch immer, und es wird sich ändern. Frankl selbst überlebte das Lager, indem er der Situation einen Sinn gab: als Zeitzeuge zu überleben, um der Nachwelt zu berichten. Aus dieser Sinnzuschreibung zog er Kraft — und entzog sich damit der Opferrolle. Übertragen heißt das: Egal wie schwierig eine Lage ist, vielleicht ergibt es Sinn, gerade jetzt darin zu stehen. Ob man das göttliche Fügung nennt oder Schicksal — die produktivere Haltung ist, in den „Spielmodus" zu gehen und zu fragen, was hier zu lernen ist: Geduld, Empathie, sprachliches Feingefühl, neue Kompetenzen. Ab dem Moment, in dem man dem „es ist so schwer, was soll ich tun" nicht mehr erliegt, beginnt Entwicklung.

Dein nächster Schritt zu dieser Folge: Hör dir Viktor Frankls rund 16-minütige Rede von 1988 am Wiener Rathausplatz an. In Folge 28 werden drei Gedanken daraus aufgearbeitet — persönliche Schuld, Heroismus und die zwei Arten von Menschen.
Zum Mitnehmen
  • Würde ist unbedingt: Sie hängt nicht von der Vergangenheit ab, sondern von der Entscheidung, die man ab jetzt trifft.
  • Sinn gibt Kraft: Eine bewusste Sinnzuschreibung kann auch durch sehr schwere Phasen tragen.
  • Frag, was das Leben von dir will: Der Perspektivwechsel führt weg vom Ego und hin zum eigenen Beitrag.

Vertiefungsmaterial zu dieser Folge

Hol dir die Kurz-Einführung in die Logotherapie und die umgekehrte Sinnfrage — als kompakte Vorlage zum Weiterdenken.

Dein nächster Schritt

Den eigenen Sinn schärfen — in 15 Minuten.

Die Frage, was das Leben — und die eigene Rolle — von einem erwartet, lässt sich gut im Gespräch schärfen. Lass uns kurz darüber sprechen, wo dein nächster Entwicklungsschritt liegt.

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