Ein Sonntagabend, ein Supermarkt am Praterstern, eine Packung Milch. Beim Hinausgehen segelt ein Zigarettenstummel vorbei und landet bei Dutzenden anderen am Boden. Eine Kleinigkeit — und doch ein perfekter Anlass für die Frage, die diese Folge trägt: Was tut man, wenn man ein Verhalten sieht, das nicht in Ordnung ist? Wegschauen und sich später aufregen? Oder etwas sagen, auch auf die Gefahr hin, dass es unangenehm wird?
Nur zwei ehrliche Optionen
Wer mit Unternehmen an gelebter Kultur arbeitet, kennt das Prinzip: Gelebtes Verhalten, das nicht okay ist und trotzdem toleriert wird, verfestigt sich. Im Alltag gibt es eigentlich nur zwei konsistente Optionen — etwas erleben und sich nicht aufregen, oder, wenn man sich aufregt, auch etwas dagegen tun. Sich aufzuregen und nichts zu unternehmen, ist die wertloseste Variante. Also gab es eine freundliche, sehr selbstverständliche Ansprache — und prompt eine wenig freundliche Antwort, samt zwei dazukommender Begleiter, die eher zum Eskalieren als zum Schlichten neigten. Kein Drama, ein „vielleicht klappt's beim nächsten Mal", und weiter ging es mit der Milch.
Der Punkt ist nicht die eine Person, sondern die Haltung dahinter. Wer es im Kleinen nicht schafft, etwas anzusprechen, wird es im Großen kaum können — dort, wo es wirklich zählt. Dieselbe Frage stellt sich Führungskräften im „Kulturblock": Welches Verhalten ist bei euch nicht okay und wird trotzdem zu sehr toleriert? Meist fallen sofort Beispiele — Unpünktlichkeit, fehlende Vorbereitung, Grundumgangsformen. Wird das dauerhaft toleriert, verschwinden Grenzen, und am Ende stehen Eskalation, Leistungsabfall oder Kündigungen.
Hoffnung neu gedacht
Den Schlüssel lieferte ein Zitat aus einem anderen Podcast — eine Definition von Hoffnung, die alles dreht:
Hoffnung ist nicht, zu warten, dass die Dinge besser werden — Hoffnung ist, das Richtige zu tun, auch wenn sie noch nicht besser werden. — über ein neues Verständnis von Hoffnung
Das verlagert den Fokus vom passiven Warten auf das eigene Handeln. Man kann im eigenen Spielraum das Richtige tun — Feedback geben, da sein, unterstützen —, ohne in Hass, Emotion oder Cholerik abzugleiten und ohne sofort das bessere Ergebnis zu sehen. Und früher oder später beginnt der Ball zu rollen. Aber bis er rollt, braucht es meist eine längere Durststrecke, in die man investiert und an der man dranbleibt. Ab dem Moment des Momentums wird vieles leichter.
Feedback als Saat
Genau daher kommt der Name Seedback: Feedback ist eine Saat. Der angesprochene Gedanke wirkt vielleicht nicht im Moment — aber möglicherweise beim nächsten Mal, wenn dieselbe Situation eintritt und jemand den Mülleimer doch wahrnimmt. Wir unterschätzen, wie viele Saaten wir setzen können, und sind oft viel zu ungeduldig auf dem Weg zur Ernte. Diese Geduld, diese Souveränität, kleine Saaten zu erkennen — in der Familie, im Team, im Unternehmen —, ist die eigentliche Botschaft.
- Zwei ehrliche Optionen: Entweder nicht aufregen — oder, wenn doch, auch etwas tun. Aufregen ohne Handeln bringt nichts.
- Hoffnung ist aktiv: Das Richtige tun, auch wenn es noch nicht besser wird. Der Ball beginnt erst nach der Durststrecke zu rollen.
- Feedback ist eine Saat: Wirkung kommt oft verzögert. Sei geduldiger auf dem Weg zur Ernte.
Vertiefungsmaterial zu dieser Folge
Hol dir die Kulturblock-Vorlage: die Leitfrage „Welches Verhalten tolerieren wir zu sehr?“ samt Schritten, um es konstruktiv anzusprechen statt zu eskalieren.
Toleriertes Verhalten ansprechen — in 15 Minuten.
Welches Verhalten wird in deinem Team zu sehr toleriert? Lass uns kurz darüber sprechen, wie du es konstruktiv adressierst, statt es weiter mitzutragen.
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